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Stefan Albrecht, Christine A. Kleinjung (Hrsg.)

Das lange 10. Jahrhundert

Struktureller Wandel zwischen Zentralisierung und Fragmentierung, äußerem Druck und innerer Krise

RGZM – Tagungen, Band 19 (2014)
335 Seiten mit 98 meist farbige Abbildungen
Format 21 x 29,7 cm, Softcover, fadengeheftet
ISBN 978-3-88467-228-0 50

EUR 50,00

zzgl. Versandkosten

Art.Nr. 2016

Gewicht 1,50 kg

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Tagungen_19_Albrecht_Jahrhundert_Titelei Einführung.pdf

Inhaltsverzeichnis und Einführung | 10. Jahrhundert

0.63 MB

Das lange 10. Jahrhundert

Das lange 10. Jahrhundert

Struktureller Wandel zwischen Zentralisierung und Fragmentierung, äußerem Druck und innerer Krise

Die Beiträge aus Archäologie und Geschichtswissenschaft gehen der Frage nach, welche Wirkung äußerer Druck, hervorgerufen durch die Ungarn- und Normanneneinfälle, auf dezentrale politische Gebilde mit personalisierter Herrschaft, wie sie in den europäischen Reichen des 10. Jahrhunderts bestanden, entfalten konnte. Vor dem Hintergrund einer in der jüngeren Forschung vorgenommenen Neubewertung von »Staatlichkeit« und »Institutionen« wird die Rolle der äußeren Bedrohungen gegenüber den inneren Entwicklungen in den betroffenen Gebieten überdacht. Der Blick wendet sich dabei ab vom Königtum und hin zu einzelnen gesellschaftlichen Gruppen und Organisations-einheiten: Klöstern, Bischofsstädten / Diözesen, Adelssitzen und Dörfern in West- und Mitteleuropa.

Zu den wichtigsten Ergebnissen zählt, dass konkrete Auswirkungen der äußeren Bedrohungen schwer zu bestimmen und kaum zu fassen sind. Insbesondere die archäologischen Befunde ergeben kein eindeutiges Bild. Die traditionell vermuteten Kausalzusammenhänge zwischen äußeren Einfällen und Krisenphänomenen – etwa dem Rückgang der Schriftlichkeit im klösterlichen Bereich oder der Zunahme von Wüstungen – sind offensichtlich ebenso wenig zu halten, wie die Annahme, dass die Ungarneinfälle nachhaltig in die bestehenden Strukturen eingegriffen hätten. Andererseits lässt die Begegnung mit dem Ostfrankenreich bei dessen noch im gesellschaftlichen und politischen Umbau begriffenen Nachbarn Ungarn und Polen einen nur mittelbaren Einfluss erkennen.

Zu überlegen ist, inwiefern die Erzählung von der äußeren Bedrohung (und ihrer Überwindung) auch als Erklärungs- und Rechtfertigungsangebot für Veränderungen auf lokaler, aber auch »nationaler« Ebene verstanden werden kann. Das Gleiche gilt für die Nutzung bestimmter biblischer Texte, die der Bewältigung von Krisenerfahrung dienen konnten oder, wie im Falle der Bischöfe, der Aufwertung der eigenen Gruppe gegen¬über dem Königtum. Es lässt sich ferner trotz eines Trends zur Regionalisierung und zur Bildung neuer gesellschaftlicher Einheiten eine stärkere Kontinuität zwischen Karolinger- und Ottonen-zeit feststellen, als bisher angenommen wurde; politische Konzepte von Königtum und Bischofsamt blieben ungestört vom Rückgang der Zentralgewalt bestehen. Daher verdient das 10. Jahrhundert in seiner Eigenart stärkere Würdigung und sollte nicht nur als Übergangsphase zwischen Karolingerzeit und Hochmittelalter gesehen werden.